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Wanderung zwischen den Dimensionen …

Eine hoffnungsvolle Satire

Eine Stadt im Osten in einer denkwürdigen Zeit. Niemand hätte gedacht, dass ein Virus das Leben einmal so gefährlich machen könnte – niemand hätte gedacht, dass einmal die ganze Welt auf der Flucht vor einer unsichtbaren Krankheit sein könnte …

Eine kleine Schar von Menschen, die diese Virenfurcht für übertrieben hält und mit Fragen auf ihre Ansichten aufmerksam machen möchte, steht Schlange, um Eintritt zu einer kleinen Demo zu erhalten. Absperrungen schützen den Bereich, auf dem sich die Menschen versammeln sollen. Die Polizei kontrolliert zu ihrer Sicherheit die Taschen, den Sitz ihrer Masken und die Atteste von denen, die keine Masken haben.

Die ersten dürfen nach bestandener Überprüfung in den Zirkel eintreten. Der Organisator dieser Versammlung diskutiert noch mit einigen Beamten, die ihren Blick zweifelnd über das Areal schweifen lassen.

„Es wäre, angesichts dieser vielen Menschen und dem wenigen Platz, der hier zur Verfügung steht, sicher ungefährlicher, wenn die Teilnehmer abwechselnd auf dem Kopf und auf den Füßen stehen – dann hätten wir den Aerosol-Fluss entschärft!“ sagt einer der Beamten mit sorgenvoller Miene zum Organisator. Dieser blickt etwas verständnislos zurück, dann beginnt er zu grinsen. „Das war ein gelungener Scherz …“, entgegnet er.

Weit gefehlt … . Und da leider niemand Kopf-Stehen konnte, werden die Absperrungen zur Seite geräumt, während Polizisten in schwerer Uniform freundlich, aber bestimmt, für einen geregelten Abzug der Versammelten sorgen.

Immerhin – keine Festnahmen, keine Gewalt, nur Unbehagen …

Was tun? Sie entschließen sich zu einem Spaziergang durch die Straßen der Stadt. Überall, an allen Straßenkreuzungen stehen wachsame Polizeiposten. Masken-Kontrolle – bitte nicht zu schnell und zu laut atmen!

Die „Spaziergänger“ halten ihre Augen und Ohren offen.

Hier sehen sie schwarz-gekleidete Gestalten in sportlichen Schuhen, die eifrig Bilder von Passanten machen und sich tänzelnd-bedrohlich durch die Menge bewegen.

Dort kommen sie an einer größeren Gruppe vorbei, die sich den schönen Namen „Unsere Stadt nimmt Platz“ gegeben hat. Sie hören den Redner vehement von Gefahren reden und eindringlich vor rücksichtslosen Menschen mit unbedeckter Mund-Nasen-Zone warnen.

Ein Stück weiter stehen Vermummte am Straßenrand, die lautstark „Masken auf, ihr Schwurbler!“ skandieren. Was mögen wohl „Schwurbler“ sein – denkt wohl der eine oder die andere. Aber die Vermummten wirken nicht so, als wollten sie Fragen beantworten. Vielleicht hätten sie auch gar keine Antworten?

… und überall dazwischen Einzelne mit Einkaufstaschen, aus denen Christbaum-Schmuck, neue Schuhe oder andere Kleinigkeiten herauslugen. Sie scheinen ganz versunken, völlig in ihren eigenen Gedanken – nur selten sieht man sie die Blicke heben, während sie sich zielstrebig von Geschäft zu Geschäft bewegen.

Später – längst zu Hause, hört man die Hubschrauber über der Stadt kreisen – die Polizeiwagen haben sich aus der Stadt in die umliegenden Straßen verteilt – einige kontrollieren die äußeren Bezirke.

Später wird man im Fernsehen erfahren, dass sich widerrechtlich Demonstrierende bei der Auflösung ihrer Versammlung der Polizeigewalt widersetzt hätten und anschließend mit aggressiven Parolen gewaltbereit durch die Stadt gezogen seien – was sollte man auch von Nazis erwarten?

Moment mal – Nazis waren früher solche, die an eine längst vergangene Zeit unter einem gewissen Adolf Hitler anknüpfen wollten. Aber Begriffe ändern sich ja bekanntlich – heute sind es wohl Menschen, die es wagen, zu erwähnen, dass Viren, Bakterien und Krankheiten schon vor der Menschheit auf dieser Erde waren … Menschen, die es wagen, zu erwähnen, dass Erdenbewohner, solange sie nicht unter Wasser leben oder Photosynthese betreiben, schon immer geatmet haben und fragen, wie Atmen plötzlich in der jetzigen Zeit so unglaublich lebensgefährlich sein kann …

Ok – Menschen, die aufstehen, sind also Nazis – Menschen, die Platz nehmen, sind systemrelevant – man erkennt sie an den Masken oder an freien Gesichtern … oder habe ich etwas falsch verstanden? Manchmal find ich da wirklich nicht mehr durch …

Bei all diesem Geschehen hat das Virus unerkannt und unsichtbar die Gelegenheit genutzt und ist von Maske zu Maske gehüpft, in der Hoffnung, irgendwo einen Wirt zu finden. Aber Wirte dürfen ihre Türen momentan ja zum Glück nicht öffnen … Wo das Virus dann Schutz vor der winterlichen Kälte gefunden hat, wird wohl immer ein Geheimnis bleiben …

 

Wer sagt eigentlich, dass man nur in einer Dimension – hier auf der Erde – und nicht in mehreren Dimensionen gleichzeitig sein kann?

Ich liege im warmen Sand unter Palmen, neben mir steht ein leuchtend oranger Cocktail mit gelben Limettenscheiben. Meine Fellnase liegt völlig entspannt in den sanften Wellen, die auch meine Füße umspielen (spannend – und ich dachte bislang, er wäre wasserscheu …). Die Sonne taucht die Umgebung in goldenes Licht – ich genieße einfach mein Sein.

Zwischendurch blicke ich mal durch das Universum, schaue, was sich auf der Erde so zuträgt. ‚Oh Mutter Erde – was hast Du für merkwürdige Bewohner‘, denke ich amüsiert und bin froh, dass die Erde nur mein Zweit-, Dritt-, oder Drölfst-Wohnsitz ist. So genau weiß ich das eigentlich gar nicht – spielt es eine Rolle?

Ich beschließe NEIN – und nehme einen Schluck meines Cocktails. Vielleicht hat es noch Zeit bis zum nächsten Besuch?

Aber dann – ganz leise, liebevoll, fragend –  höre ich zu meinem Erstaunen Mutter Erde’s melodische Stimme: “Hier braucht’s Lebensfreude, wo bist Du?“ 

Ich schaue mich um – auch andere scheinen es gehört zu haben …

Überall auf der Erde klingeln Wecker – Menschen erwachen –  reiben sich die Augen –  schauen erst etwas verwirrt – beginnen zu verstehen. Ein Lächeln huscht über ihre Gesichter, ihre Lebensfreude breitet sich auf dem Planeten aus, wie eine sanfte, liebevolle Welle  … 

Die Sonne geht auf, taucht alles in goldenes Licht – ein neuer Tag beginnt …

Lieber Geheimdienst, liebe Menschen – viel Freude beim Lesen! Eure Antje Renz 😊

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