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Eine Neue Welt?

Eine gewagte Geschichte, das gebe ich zu – natürlich ist sie absolut frei erfunden und nur aus der Fantasie entsprungen.

Sie möchte lediglich inspirieren, Fragen zu stellen … vielleicht ist nicht alles wahr, was als Wahrheit verkauft wird und nicht alles Lüge, was als Lüge bezeichnet wird.

Die einzige Wahrheit liegt in Dir selber – nur Du kannst DEINE Wahrheit spüren. Nur Du kannst entscheiden, wem Du Glauben schenkst und wer oder was in Dir Zweifel weckt.
Was, wenn nichts richtig oder falsch wäre?
Was, wenn das eigene Spüren aus der ureigenen Quelle durch nichts im Außen manipulierbar wäre?
Was, wenn wir unserem ureigenen Spüren, uns selber, vertrauen würden?

 

Great things happen …

Alle hatten frei – der Big Boss hatte es gestern verkündet. Ein Geschenk für die Mitarbeiter. Ein Tag mit Zugang zu allen Annehmlichkeiten des großen Areals, das sonst den Gästen des Hauses vorbehalten war.

Nur sie hatte sich abgesetzt, Kopfschmerzen vorgeschoben. Nun saß sie hier, wähnte sich gut versteckt. Sie war voller Neugier und gleichzeitig voller Furcht, entdeckt zu werden. Was sich hier abspielte, in diesem Raum, den sie von ihrem Versteck aus gut im Blick hatte, MUSSTE sie einfach wissen.

 

Die Tür öffnete sich. Ein prüfender Blick – alles war zu seiner Zufriedenheit. Getränke standen bereit, das Büfett war gerichtet, der Konferenztisch ausgestattet mit den notwendigen Utensilien, der Beamer lief. Schnell überprüfte er noch einmal die Internet-Verbindung, aktivierte den Sicherheitscode.

Es konnte beginnen.

Er hörte Stimmen auf dem Gang und öffnete die Tür.

Sie kamen alle gemeinsam, begrüßten den Hausherrn, schwatzten ein wenig und nahmen Platz.

„Willkommen in meiner bescheidenen Residenz!“, lächelte er in die Runde. „Schön, dass Ihr es alle einrichten konntet. Es gibt wichtige Dinge zu besprechen!“ Er nickte jedem einzeln zu.

„Einer fehlt – tragischer Unfall.“ Mit tiefem Bedauern in der Stimme fuhr er fort: „Wirklich tragisch – lasst uns eine Minute zu seinem Gedenken gemeinsam schweigen.“

„So“, unterbrach er dann die Stille, „jetzt können wir beginnen! Wie ist es Euch ergangen in den letzten Wochen? Was gibt es Neues?“

Der erste räusperte sich … „Die Basis läuft. Diese Virengeschichte – von der ich übrigens wirklich nicht gedacht hätte, dass sie funktioniert“, unterbrach er sich selber lachend, „diese Virengeschichte läuft – überall. Da ist kaum noch etwas für uns zu tun.
Ich habe an den richtigen Stellen ein paar Sätze fallen lassen zu den digitalen Bürger-Ausweisen – auch das ist ein Selbstläufer. Diese Impfung war die beste Idee ever! Die Unternehmen füllen sich die Kassen und können kaum noch an etwas anderes denken. Die Regierungen halten schön still, weil sie letztlich ja auch profitieren, wiedergewählt werden wollen, die Macht, an der sie gerade schnuppern, behalten wollen oder von noch mehr Macht träumen. Läuft!“

Sein Nachbar führt weiter aus: „Es gibt Strömungen, die die Entwicklung kritisch sehen – aber sie sind nicht der Rede wert – keine Gefahr.
Die Kampagne für lückenlosen Gesundheitsschutz und digitale Gesundheits-Überwachung kommt gut an. Menschen wollen offensichtlich tatsächlich gerne geschützt werden. Oder sie glauben, mit Befolgen der Verordnungen endlich wieder reisen, in Konzerte, Kinos – was auch immer – zu dürfen. Alles zusammen führt dazu, dass Menschen sich sogar gegenseitig kontrollieren und oft den Verordnungen schon vorgreifen.“
Er grinst in die Runde. „Interessante Studie, die wir da gerade beobachten können. Kein Wunder, dass die Welt mit all ihren Abhängigkeiten und Kriegen so sein kann, wie sie ist.“

„Das Projekt „Schnelles Internet“ läuft auch. Noch glauben alle, es gäbe keine Sendemasten und es würde noch Jahre dauern – aber inzwischen scheint die Neugier die Skepsis vor diesen neuen Technologien zu überwiegen. Wink den Menschen mit vielen bunten Filmen direkt auf‘s Handy, mit einem Auto, das sie sicher und autonom von A nach B bringt – erzähl den Firmen, wie sie mit Automation viele Mitarbeiter einsparen können und noch von ein paar Annehmlichkeiten mehr … Läuft auch!“

Der nächste beleuchtet den Stand der technischen Entwicklung: „Die Satelliten-Produktion läuft mit wenigen Verzögerungen nach Plan“, zufrieden macht er eine kleine Pause. „Die allgemeinen Materialengpässe betreffen uns weniger – ich habe überall an wichtigen Schlüsselstellen jemanden sitzen, der dafür sorgt, dass unsere Aufträge schnellstens und vorrangig ausgeführt werden.
Wenn alles bleibt, wie es im Moment aussieht, werden wir in ca. 6 Monaten unsere Flotte in der Atmosphäre haben, um erdumspannend senden zu können.
Die Versuche mit den Empfängern stehen kurz vor ihrem Abschluss. Die Nano-Implantate funktionieren zuverlässig und sind – Stand jetzt – in wenigen Wochen serienreif.
Die neuesten Versuche haben ergeben, dass die Steuerung und der Download nötiger Informationen für die Ausführung von Befehlen reibungslos funktioniert. Aber schaut selber, ich habe Euch eine kleine Dokumentation mitgebracht.“

Der Hausherr startete den Beamer. Alle schauten gebannt und klatschten begeisterten Beifall.

„Verstehe ich das richtig? Die Programme sorgen dafür, dass z.B. alle Mitarbeiter einer Firma automatisch und zur rechten Zeit an ihre Arbeitsplätze geleitet werden und ohne Fehler ausführen, was gerade anliegt?“
„Genau – und noch viel mehr: sie werden vor Verlassen ihrer Unterkunft automatisch auf ihre Funktion gecheckt. Im Falle eines Defizits wird automatisiert ein Ersatz an die entsprechende Einsatzstelle beordert und das festgestellte Defizit ebenso automatisch adäquat behandelt. Niemand muss sich mehr um sich selber sorgen – das übernehmen alles unsere KI-Steuerungen.“

„WOW“, ein anerkennendes Gemurmel erhob sich, das der Sprecher mit einer weiteren Ergänzung durchbrach: „Natürlich ist auch für die Pausen gesorgt – jeder wird mit Inspirationen für Freizeit und Spaß versorgt, wenn gerade keine funktionalen Einsätze anstehen“.

„Meine Anerkennung! Sehr gute Arbeit! Gibt es noch weitere Berichte?“

„Ja – wir haben noch ein kleines Problem, das mir ein wenig Kopfzerbrechen bereitet. Der menschliche Faktor. Wir können bereits alle benötigten Informationen bereitstellen, die für die Hybride gebraucht werden. Lästiges Lernen und Fehlentscheidungen tendieren damit gegen Null. Aber wie Ihr wisst, gab es einen unter uns, der aus unerfindlichen Gründen aus unserem Kreis aussteigen wollte, weil er in sich – wie sagte er? – ‚die Seele entdeckt habe, die Zweifel an unserem Projekt hätte‘. Er hat uns sozusagen die „Härte-Test-Person“ selber geliefert. Leider haben unsere Nano-Chip-Programmierungen in diesem Test-Segment versagt – Gott sei seiner Seele gnädig, sein Unfall nahm uns ein wertvolles Studienobjekt.
An der Verbesserung arbeiten wir natürlich mit Hochdruck.“
Der Sprecher senkte betreten den Kopf.

Schweigen.
„Meine Herren – eine kurze Erinnerung. Wir spielen immer noch ein Spiel. Es kann gelingen – die Zeichen dafür stehen gut. Aber sollte es nicht gelingen, können wir jederzeit die Spielregeln ändern oder ein neues Spiel spielen. Das war der Ansatz unserer Runde hier, oder?“

„… und noch etwas“, fährt ein anderer fort, „WENN wir erfolgreich sind und unsere Umsetzung nach unserem Plan gut verläuft, tun wir doch der Menschheit unendlich viel Gutes! Mit dem Umschalten der Menschheit auf unsere Chips wird es keine Kriege mehr geben.“ Er zwinkert in die Runde und fügt an „es sei denn wir wollten ein bisschen Aktion ins Spiel bringen, aber das wäre dann eine andere Geschichte.“
„Sehen wir es doch sportlich, meine Herren: es entsteht bereits ein komplettes Programm, in dem alles Wissen zum Aufbau funktionierender Gemeinschaften in allen benötigten Bereichen zum Download bereitsteht. Für jeden neuen Hybriden das Passende: Landwirtschaft, Industrie, Verwaltung, Familie und passende Lebenspartnerschaften, Kindererziehung, angenehmes Leben , saubere Umwelt usw. . Wer hier nicht „mitspielen“ wollte, wäre doch dumm, nicht wahr? Und da, wo jemand tatsächlich bei seiner Verweigerung bleiben wollte … nun ja – was sollten Einzelne in einer neu-ausgerichteten, funktionierenden Gemeinschaft schon ausrichten? Meint Ihr nicht, dass es in solch einer schönen, neuen, perfekten Welt sehr schwierig wäre, einen Grund für Widerstand zu finden?“

Er hatte kaum ausgesprochen als der Alarm losging, sich ein Überwachungsbildschirm anschaltete und eine Gestalt im Lüftungsschacht zeigte.
Zuerst regungslos – dann in Windeseile sich aufrichtend, in Panik flüchtend.

Der Hausherr zoomte das Bild heran, schaute genau – ein Name blinkte auf – er entspannte sich.
„Lasst sie laufen – sie ist eine meiner Angestellten. Was immer sie gehört hat, wer würde ihr schon glauben?“

Damit ging er in Richtung Büfett, öffnete die Champagner-Flasche und begann die Gläser zu füllen.
„Meine Herren, Zeit für eine Pause – lasst uns anstoßen – auf die großartige Neue Welt, die durch uns entstehen wird!“

 

Ein paar Tage später in der Tageszeitung:

„Eine offensichtlich verwirrte Frau wurde auf dem Marktplatz in Gewahrsam genommen. Es handelt sich um eine Angestellte der Firma Xylon, die während eines Open-Air-Konzertes die Bühne stürmte und lautstark Parolen über angeblich dunkle Machenschaften ihres Chefs, unseres geschätzten Förderers der Markkonzerte, C. H., in die Menge schrie.
Ordnern gelang es glücklicherweise sehr schnell, die Frau zu überwältigen, so dass das Konzert nach kurzer Pause fortgesetzt werden konnte.
Sie befindet sich inzwischen in einer psychiatrischen Klinik. Reportern sagte C.H., es sei Frau M. schon länger nicht gut gegangen. Leider hätte sie die Hilfsangebote nicht annehmen wollen. Dass es so weit kommen musste, bedauere er zutiefst. Gleichzeitig versicherte er, für die bestmögliche Behandlung seiner Mitarbeiterin persönlich zu sorgen und ihre Genesung zur Chef-Sache zu machen.“


Ein paar Wochen später in der Tageszeitung:
„Tragische Entwicklung im Fall der Frau M., die vor einiger Zeit in geistiger Verwirrung für Unruhe während eines Konzertes auf dem Marktplatz gesorgt hatte.
Frau M.– so die Unternehmensleitung Xylon, deren Angestellte sie war – sei auf dem Weg der Besserung gewesen, als sie aufgrund eines Virusausbruches im Krankenhaus in die Quarantäne-Station verlegt werden musste. Zwei Tage nach ihrer Verlegung fand der diensthabende Pfleger Frau M. tot in ihrem Zimmer. Offensichtlich hatte sie eine Möglichkeit gefunden, sich Zugang zu starken Schlaftabletten zu verschaffen. Wie das geschehen konnte, wird derzeit noch untersucht.

Der Unternehmenschef von Xylon sprach der Familie der Frau M. sein tiefstes Beileid aus.
Weiter sagte er wörtlich: „Diese Zeit ist eine harte Probe für jede und jeden von uns. Manche haben nicht die seelische oder körperliche Stärke, sie unbeschadet zu überstehen. Bitte achten sie auf Ihre Mitmenschen, nehmen Sie Probleme ernst – lassen sie uns gemeinsam für die da sein, die in der gegenwärtigen Pandemie-Lage an ihrem Leben verzweifeln.
Wir – die Xylon – haben den tragischen Tod unserer Mitarbeiterin zum Anlass genommen, einen Hilfe-Fonds für unbürokratische Unterstützung in schwierigen Situationen einzurichten. Aus diesem Fonds haben wir eine Hotline geschaltet, die rund um die Uhr mit Experten besetzt und immer erreichbar ist für Menschen, die Sorgen haben – genauso für Menschen, die sich um ihre Angehörigen oder Freunde sorgen. Dort finden Sie immer jemanden, der nicht nur zuhört, sondern auch mit Rat und Tat weiterhelfen kann.
Wir können den Tod von Frau M. nicht ungeschehen machen – aber wir können dafür sorgen, dass hoffentlich in Zukunft Menschen in schweren Lebenslagen schneller geholfen werden kann. Bitte helfen Sie mit!“

 

Was C.H. und seine Männer-Runde aller technischen Möglichkeiten zum Trotz nicht wussten: der Sarg, der feierlich zu Grabe getragen wurde – verordnungskonform in kleiner Gesellschaft der engsten Angehörigen, aber begleitet von großem medialen Aufwand – war leer.

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Vielleicht hat nicht jedes Spiel “Gewinner und Verlierer” – vielleicht stoppt manches Spiel mittendrin oder endet, bevor es richtig begonnen hat …

Vielleicht findet die Wahrheit immer einen Weg, dorthin zu kommen, wo sie gehört wird … ähnlich wie auch das Wasser – egal in welchem Terrain – immer seinen Weg findet … sanft, nährend und kraftvoll zugleich …

 

 

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Den ersten Teil dieser kleinen Kurzgeschichten-Satire-Folge findest Du hier:
https://energytwister.de/monopoly-banking-satire

©Antje Renz

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